Umsetzen der Lok vom Sockel auf ein Anschlussgleis


Die Lok musste irgendwie auf ein Gleis, über welches sie dann auf eigenen Rädern den weiteren zurücklegen sollte.

Mit einem großen Autokran sollte die Lok auf das am besten erhaltene Stumpfgleis nebenan gehoben werden. Aber dabei hätten die Kosten für den Kran das Budget deutlich gesprengt.

Eine andere Idee: Wenn ein Straßentransporter die Lok nur um einige hundert Meter bewegt hätte, wäre es möglich gewesen, auf den Kran zu verzichten und der Zustand der alten Gleise hätte ebenfalls völlig vernachlässigt werden können. Jedoch wurden nach dem Rückbau der Gleise mehrere Grünflächen angelegt, die es dem Transporter unmöglich gemacht hätten, vernünftig an die Lok heranzufahren. Aus dem selben Grund war auch die Installation von provisorischen Gleisen nicht möglich. Ein vorübergehendes Entfernen der Grünflächen war nach Gesprächen mit den Verantwortlichen als absolut indiskutabel eingestuft worden, weshalb der Transporter endgültig aus dem Rennen war.

Es konnte also nur eine Lösung geben: Die Lok sollte mit einem Kran von ihrem Sockel auf eines der Nachbargleise gehoben werden. Auf der Suche nach einer anderen Kranfirma wurde man glücklicherweise fündig. Am 22. Juni wurde die Lok mit zwei kleineren Kränen auf eines der alten Stumpfgleise nebenan gehoben. Da die Kräne hierbei bereits im Grenzlastbereich arbeiteten, war dies nur mit zehn Zwischenstops der Lok im Dreck realisierbar. Die Lok wurde also nach einem Teil des Weges abgesetzt und anschließend die Kräne neu positioniert. Danach konnte sie dann erneut angehoben werden und das nächste Wegstück zurücklegen bis sie auf dem anderen Gleis abgesetzt wurde.

Um die Rollfähigkeit für die lange Überführung bescheinigen zu können, musste die Lok noch genauer untersucht werden. Hierzu wurde sie auf eine Arbeitsgrube der Hammer Eisenbahnfreunde geschleppt, wo sie sich weitergehenden Prüfungen unterziehen musste. Die Rollfähigkeit konnte nun bescheinigt werden, und der Überführung stand nichts mehr im Wege.

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Zum Umsetzen der Lok wurden zwei Autokräne genutzt. Der erste hob hier bereits den Tender an ...

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... und ließ ihn auf das Nebengleis herüberschweben; — lächerlich gegenüber dem Kraftakt, der danach folgen sollte.

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Der Kran fuhr zur Seite und ließ einem LKW den Vortritt, der mit einer 30t-Winde die Lok zum Gleisende zog.

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Nun kamen beide Autokräne zum Einsatz und mussten zunächst einmal mit dem richtigen Hebezeug ausgerüstet werden.

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Der Kraftakt begann und beide Kräne, bereits im Grenzlastbereich arbeitend, ließen die Lok ...

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... langsam um den Bahnsteig herum schweben.

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Hierzu musste die Lok zehnmal abgesetzt werden, damit die Autokräne ihre Positionen ändern konnten, weil sie sonst unter der auskragenden Last umzustürzen drohten.

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Nach unzähligen Arbeitsstunden wurde die Lok nun endlich auf dem Gleis abgesetzt, von dem aus sie die weitere Heimreise standesgemäß über die Schiene antreten sollte.

Anbringen der Lokschilder, Demontage der Schienenräumer, Freischnitt der Gleise


04b_08_Schildermontage_min.jpg   Die Lok sollte auf der Überführungsfahrt zum Hafenfest in Gelsenkirchen originale Schilder tragen.
Darum werden diese neu angefertigten Schilder diebstahlsicher montiert.
 
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Noch immer machten die Schienenräumer Schwierigkeiten und wollten sich einfach nicht lösen.
 

 

05b_10_Schienenraeumer_min.jpg   Also wurden die Befestigungsschrauben kurzerhand mit einem Schweißgerät abgebrannt.
 
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Auch einige der Sandrohre ließen sich durch ihre extremen Biegungen nicht aus dem Rahmen entfernen.
Da sie aber bereits lose herumhingen, wurden auch diese kurzerhand mit der Flamme abgetrennt.
 

 

06b_12_Freischnitt_min.jpg   Für die Überführung musste das seit 3 Jahren nicht mehr befahrene Anschlussgleis freigeschnitten werden.
Sowohl Äste als auch umgeknickte Bäume zierten den Weg und mussten entfernt werden.
 
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Auf dem Gelände des Maximilianparks hielt sich der Bewuchs in Grenzen.
Lediglich einige bodendeckende Pflanzen hatten sich in das Gleisbett gewagt.
 

 

Demontage der Treibstangen und Steuerung; Bewegen des Tenders

 


 

Unser Wolfgang bei der Begutachtung der Arbeiten.
Die außen liegenden Treibstangen sind bereits demontiert.
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01a_12_Stangendemontage_min.jpg Die Halterungen der Sandrohre sind mit den Jahren dem Rost zum Opfer gefallen.
Wie sich herausstellte, mussten die Rohre ebenfalls demontiert werden.

 

 

 

Während in der Enge des mittleren Triebwerkes die nötigen Demontagearbeiten durchgeführt wurden, ... 01a_15_Stangendemontage_min.jpg

 

 

 

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  ... machte man sich auch die ersten Gedanken darüber, wie man die Schienenräumer entfernen könnte.
Diese sollten für einen Schienentransport zwingend abgebaut werden.
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Das Bewegen des Tenders machte zum Erstaunen aller keine Probleme.
Mit nur wenig Kraftaufwand konnte er mit der Hand verschoben werden.

 

 

 

Erstes Bewegen der Lok nach 26 Jahren Stillstand

 


 

Zum Bewegen der Lok wurden zwei 20t-Pressen eingesetzt, die vor der Lok in Position gebracht, diese nach hinten schieben sollten.
 
 
 
 
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Als Druckpunkt am Boden sollte eine Schwelle des Gleiskörpers dienen.

 

 

 

03c_07_Lok_bewegen_min.jpg   An der Lok bot sich als Druckpunkt ein Rahmenteil der Vorlaufachse an
 
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Die Lok bewegte sich jedoch um keinen einzigen Millimeter.
Stattdessen schoben die Pressen die Schwelle samt Schotterbett von der Lok weg.
 

 

 

 

03b_02_Lok_bewegen_min.jpg   Im zweiten Versuch sollten die Kontergewichte der Treibachsen angehoben werden. Mit dem Eigengewicht hätte dann die auftretende Hebelwirkung die Radsätze und somit die Lok in Bewegung gesetzt.
Die maroden Schwellen und der weiche Untergrund verhinderten diese Vorgehensweise jedoch erfolgreich.
 
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Währenddessen sollten die Schienenräumer demontiert werden.
Nachdem der Schienenräumer vorne rechts mit zwei Maulschlüsseln und einigen Hammerschlägen bereits entfernt werden konnte, musste hinten links schwereres Gerät eingesetzt werden.
 

 

 

 

03c_12_Lok_bewegen_min.jpg   Nachdem ein Stück Schiene aufgetrieben werden konnte, wurde dieses als stabiler Druckpunkt auf die Schienen vor der Lok aufgeschweißt.
 
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Erneut wurden die Pressen vor den Rahmen gesetzt, jetzt hatten sie aber einen festeren Druckpunkt als zuvor an der Schwelle.
Die Lok bewegte sich und die Farbe von den betroffenen Lagern platzte ab.
Der entgegengebrachte Widerstand war gebrochen und die Lok konnte um ca. 80 cm verschoben werden.
 

 

 

 

Risszeichnung Baureihe 44

 

Technische Daten

 

Hersteller / Nummer Borsig GmbH, Hennigsdorf / 15397
Baujahr / Abnahme 1942 / 08.02.1943
Ursprüngliche Bezeichnung 44 1558
Spätere EDV-Nummer 044 556-9
Kessel / Nummer Fa. Zieleniewski u. Fitzner-Gampe AG, Sosnowitz, 10919
Tender Ausgeliefert von Henschel und Sohn, Kassel am 01.11.1941 mit Lok 44 457

 

Geschichte der Lok

 

ab Auslieferung Die Geschichte ist nicht mehr nachvollziehbar, da das Betriebsbuch im Krieg verloren gegangen ist.
Bekannt ist, dass die Lok am 03.01.1947 bei der Reichsbahndirektion Köln im Einsatz war und bis zur nächsten Hauptuntersuchung 1949 im Werk Schwerte als Kriegsrückstaulok geführt wurde.
ab 10.03.1949 Hagen-Vorhalle
ab 06.08.1962 Wuppertal-Vohwinkel
ab 26.05.1968 Hildesheim
ab 01.02.1969 Lehrte
ab 26.04.1969 Gelsenkirchen-Bismarck und Außerdienststellung
ab 24.05.1977 Abgabe an die Hammer Eisenbahnfreunde
ab Feb. 1979 Kalt und als Denkmal im Maximilianpark Hamm abgestellt, bis die Eisenbahnstiftung Joachim Schmidt die weitere Betreuung übernahm.
ab 31.05.2005 Dauerleihgabe an die Historische Eisenbahn Gelsenkirchen e.V.
am 09.07.2005 Rückkehr nach Gelsenkirchen