Bismarck heißt der Gelsenkirchener Ortsteil erst seit 1900, benannt nach dem Reichskanzler Otto von Bismarck. Vorher hieß er Braubauerschaft.

Eine Pferdebahn war die erste schmalspurige Bahn in der Braubauerschaft.

Im Jahre 1868 wurde die Gesellschaft „Steinkohlenbergwerke Graf Bismarck“ gegründet. Durch die sumpfige Umgebung in der Emscher-Region entschied sich die Zechengesellschaft zum Bau einer schmalspurigen Pferdebahn. Über diese Pferdebahn, die 1869 in Betrieb ging, wurde die Kohle zum Bahnhof Schalke der CME transportiert.

Das Umladen machte große Mühe und kostete natürlich auch viel Geld. So entschloss sich die Gesellschaft die Strecke regel­spurig auszubauen. Umgebaut ging die Bahnstrecke 1873 in Betrieb.

Im Jahre 1874 errichte die BME die Strecke Essen - Schalke und führte die Strecke über Bismarck bis nach Herne (Januar 1876).

Vor den Toren der Zeche wurde ein Bahnhof gebaut und die Zeche an den Bahnhof angeschlossen. Gegenüber des Bahnhofsgebäudes wurde ein Ringlokschuppen gebaut. Mit dem Bau der NWE Bahn­strecke von Bismarck nach Winterswijk im Jahre 1880 kamen die ersten Personenzüge nach Bismarck.

Die Eisenbahndirektion entschied im Jahre 1912 den Bahnhof zu erweitern. Auch die Anschlussbahn der Zeche Graf Bismarck wurde durch das Abteufen weiterer Schächte bis nach Gelsen­kirchen–Erle geführt. Später führte die Anschlussbahn dann bis in den Ortsteil Resse.

Durch die umliegenden Zechen Hugo, Unser Fritz und Graf Bis­marck wurde Bismarck zu einem großen Rangierbahnhof. Der Insel­bahnhof musste weichen und 1928 wurde das neue Empfangs­gebäude in Betrieb genommen. Eine neue Güterabfertigung kam 1933 dazu. Der bekannteste Personenzug in Bismarck war wohl der „Grenzland-Express.“

Die Vt 36 Triebwagen verkehrten von Mai 1951 bis Winter 1975 von Bentheim Nord über Stadtlohn, Borken, Dorsten, Bismarck, Essen bis Duisburg. Teilweise ging der Zuglauf sogar bis nach Düsseldorf. Um den Zug ans Rollen zu bringen, mussten Bahn­strecken der Bentheimer Eisenbahn, der Westfälischen Landes­eisenbahn und der damaligen Deutschen Bundesbahn befahren werden.

1968 musste das imposante Bismarcker Bahn­hofsgebäude der A 42 weichen und wurde abgerissen.

Zwei Personenzuggleise verblieben an dem alten Bahnsteig der nun den Namen „Gelsenkirchen-Zoo bekam. Mit dem Zechensterben der umliegenden Anlagen ging der Eisenbahnbetrieb im Bismarck Rangierbahnhof immer mehr zurück.

1981 wurde das Spurplan-Zentralstellwerk „Gbf“ in Betrieb genommen.

Die alten Stellwerke in Bismarck, Hugo, Schalke, Abzweig Unser Fritz und Abzweig Nordstern, sowie einige Schrankenposten wurden aufgegeben.

Durch die Bergsenkungen gleicht der Rangierbahnhof heute einer Berg- und Talbahn.

Eine Lokomotive der Br 294 DB CARGO (Funkferngesteuert) ver­sieht bis in die heutige Zeit den verblieben Rangierdienst.

 

Kommen wir nun zum Bahnbetriebswerk (Bw) Gelsenkirchen- Bismarck.

Durch den schweren Eisenbahnbetriebsdienst reichte der alte vor­handene Ringlokschuppen nicht mehr aus. Um 1925 wurde ein 16-ständiger Ringlokschuppen mit Ausbesserungs-Werkstatt ge­baut. Die Steine lieferten die Ziegeleien der umliegenden Zechen. Bekannt geworden ist das Bahnbetriebswerk als letztes Bw der schweren Dampflokomotiven der Baureihe 44. Im Mai 1977 kam das Aus für die kohlegefeuerten Lokomotiven in der Bundes­bahn­direktion Essen.

Mit einem großen Fest auf dem BW-Gelände wurde Abschied genommen.

Den letzten planmäßigen Güterzug bespannte die Lok 44 508-0. Das Bw wurde zum reinen Diesel-Bahnbetriebswerk, Lokomotiven der Baureihen V 200 (221), V 60 (360) und V 160 (216) waren jetzt hier zu Hause.

Die bekannteste V 160 war die Vorserienlokomotive V 160 003 mit dem Spitznamen LOLLO.

Auch für die V 200 war Bismarck das letzte Bw. Hier wurde die ölgefeuerte Lok 41 360 „Lady of Bismarck“ aufgearbeitet.

Am 1. Januar 1982 wurde das Bw als eigenständige Dienststelle aufgelöst und an das Bw Oberhausen-Osterfeld Süd angegliedert.

Werkstattarbeiten wurden noch bis zum Jahre 1988 durchgeführt.

Mit Hilfe von vielen Eisenbahnfreunden, auch jetzigen Mit­gliedern der Historischen-Eisenbahn-Gelsenkirchen e.V., ist es gelungen, dieses großartige Bauwerk der Gelsenkirchener Eisen­bahngeschichte zu erhalten.

Seit 2001 ist der Kommunalverband Ruhrgebiet Eigentümer.

In Zukunft wird das Bw wieder zugänglich sein und der eine oder andere Zug wird ins Bw Bismarck einfahren.